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Schramberg – Sehen, wo das Geld bleibt, sich von den globalen Finanzmärkten unabhängiger machen und die regionale Wirtschaft stärken kann man mit Regiogeld. Zum Beispiel mit dem Gwinner.

Seit einem Jahr gibt es das alternative Zahlungsmittel in Kommunen von Sulz bis Blumberg und von Triberg bis Fridingen. Drei Frauen aus
Schramberg, Schwenningen und Tannheim tragen dazu bei, dass der Gwinner in Umlauf kommt.
„Früher dachte ich, als Konsumentin bin ich nur ein kleines Rädchen und machtlos“, sagt Petra Weber aus Seedorf. Doch seit einem Jahr
bringt sie zusammen mit dem Initiator des Gwinners, Gerhard Weber, die alternativen Scheine unter die Leute: „Wir sind von Geschäft zu
Geschäft gegangen und haben Klinken geputzt“, berichtet sie von der zum Teil mühsamen Überzeugungsarbeit. Dass der Gwinner als
ergänzendes Zahlungsmittel zum Euro das hier verdiente und hier ausgegebene Geld vor Ort hält und die ortsansässigen Unternehmen
gegenüber Ketten und Internet stärkt, davon sind in der Region mittlerweile schon 86 Geschäftsleute überzeugt.
Die Inhaberin des Naturata-Ladens in Schwenningen, Katharina Pfundstein, ist von Anfang an dabei. „Durch den Laden habe ich eine
Steilvorlage, damit umzugehen“, sagt die diplomierte Ökotrophologin. In ihrem Geschäft kann man nicht nur mit Gwinner bezahlen, sondern
auch Euro in Gwinner umtauschen. „Das gängige Geldsystem ist so was von schräg“, ist Pfundstein überzeugt. Da sei es nur konsequent,
wenn im Naturkostladen nicht nur Milch und Käse aus der Region verkauft würden, sondern auch mit Regiogeld bezahlt werden könne. Bei
Naturkost seien Hofläden und geschlossene Kreisläufe seit jeher Thema Nummer eins. Die Geschäftsfrau hat sich schon vor 20 Jahren mit der
Idee des regionalen Wirtschaftens beschäftigt. Vertiefen konnte sie den Gedanken, als sie damals eine Semesterarbeit zum Thema von Marion
Elling-Chong Luna Korrektur gelesen hat. Die diplomierte Sozialpädagogin betreibt in Tannheim eine therapeutische Praxis zur
Stressbefreiung und nimmt dort ebenfalls Gwinner als Zahlungsmittel an. Auch sie ist überzeugt, dass Geld nur Sinn macht, wenn es in Umlauf
kommt: „Dann haben alle etwas davon“, sagt sie. „Wenn man es unter das Kopfkissen legt, hat nur einer etwas davon.“
Regiogeld ist eine Möglichkeit, damit sich in den Köpfen etwas bewegt, sind sich die drei Frauen einig und setzen auf einen spielerischen
Umgang mit der anderen Währung. Ein kleines Theaterstück mit drei bis fünf Szenen ist bereits in Planung, um den Gwinner noch bekannter
zu machen. Und das Weihnachtsgeld hat Katharina Pfundstein dieses Jahr in Gwinnern ausgezahlt. Petra Weber kauft alle Geburtstags- und
Weihnachtsgeschenke in Geschäften ein, in denen sie mit dem Regiogeld bezahlen kann.

Unterstützung für Vereine

86 Geschäfte machen inzwischen mit. Dabei sind schon 15 000 Gwinnerscheine über die Ladentheken gegangen – ein toller Erfolg, wie die drei finden. Drei Prozent vom Tauschbetrag
kommen örtlichen Vereinen zugute. Vor wenigen Tagen konnten die Aktivistinnen das alternative Geldprojekt im Villinger DM-Markt vorstellen. Der für seine unkonventionelle Art der
Unternehmensführung bekannte Drogeriemarkt hat das Regiogeld bei seiner Ideenwerkstatt ausgezeichnet und mit einem Preisgeld bedacht.

Originalartikel auf Südkurier Online

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